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Erdtaucher & Satellites

Doppelausstellung. Kammer 1: “Erdtaucher” von Max Grüter. Ausstellung bis Sa. 29. Sept.2012. Kammer 2: “Satellites” von Bruno Streich. Ausstellung bis Sa. 18. Aug. 2012.Werkbeschrieb „Satellites“ Bruno Streich im iwbFilter4
(Auszug)Bruno Streich zeigt im Filter 4 „Satellites“, Werke aus der Serie, in der sich der Künstler mit der Form künstlicher Erdtrabanten auseinandersetzt – und damit mit Fragen nach der „guten Form“ und Funktionalität im Allgemeinen.Bruno Streich ist Dipl. Ing. ETH (Luft- & Raumfahrt).
Bruno Streich setzt mit seinem Werk Fragezeichen zu Sehgewohnheiten und Alltagsästhetik.
Bruno Streich rückt Unsichtbares und Übersehenes ins Blickfeld und schafft so neue Akzente.Dies gilt für seine Gemälde, die Reduktionen und Magazin Remains wie auch für seine Skulpturenserie der Satellites. Als Raumfahrtingenieur weiss Streich genau, wie ein Satellit auszusehen hat, was ihn ausmacht, was diese abstrakte Form für den Laien zum Satelliten macht. Er kennt den Gencode des Satelliten, quasi. Um den Code einer visuellen Erscheinung geht es auch in der Malerei, in der vertraute Bilder einer radikalen Reduktion unterworfen werden mit dem Ziel, das Bild nur noch als Essenz der Wahrnehmung zu definieren und damit auf alles Überflüssige zu verzichten. Die Arbeit des Raumfahrtingenieurs am Gemälde.Die Form eines Satelliten ist definiert durch den Verwendungszweck des Geräts, wie dies im jeweiligen Pflichtenheft beschrieben ist. Bruno Streich entreisst den Strukturen gerade dieses Pflichtenheft und lässt die Formen stehen im Zwischenraum zwischen Form und Funktion und gibt ihnen somit Raum für gedankliche Inhalte. Die technoide Hülle verändert sich, Raum für Assoziationen entsteht, Rätselhaftes und Poetisches fliesst mit ein. Die Form der Skulpturen kann raketenähnlich sein, breit ausladend mit Beinen, kompakt-kugelig mit einer trapezförmig aufgelösten Oberfläche oder grad als Funkantenne in Schüsselform gebaut sein. Manchmal sind Satelliten komplex geformt, haben zerklüftete Oberflächen, denen das fast elegant reduzierte, das ihre Artgenossen so oft auszeichnet, fehlt. Aber das ist wirklich selten. Viel häufiger sind Symmetrien, ausgewogene und aufs wesentliche beschränkte Kompositionen, die einem Brancusi viel näher sind als einem Hirschhorn – in jeder Beziehung.

Andres Pardey
Kunsthistoriker, Museum Tinguely, Basel

Werkbeschrieb “Erdtaucher” Max Grüter

Erdtaucher sind aus Beton gegossene menschliche Büsten. Sie sind witterungsbeständig und können einzeln, oder in Gruppen auf jeden flachen Untergrund positioniert werden. Jede Figur entspringt aus ein und der selben Negativform. Durch eine variable Gusstechnik, wird die starre Körperhaltung des Grund-Typus durchbrochen. Auf diese Weise wandelt sich jeder Erdtaucher zu einem Unikat und gliedert sich so individuell in das Gesamtgeschehen ein.
Die Figuren sind äusserst frei in deren Präsentierung. Es ist im Grunde genommen völlig egal, wo man sie “auftauchen” lässt. Sei dies als Einzelfigur, oder als ganze Gruppe. Wie auch immer, jeder Erdtaucher tritt augenblicklich in einen ortsspezifischen Dialog. Die Farbwahl der vertikalen Streifen bezieht sich auf viele andre Arbeiten von mir in welcher ich sie verwende. Die Farbe Orange spielt auf künstlerischer Ebene mit unserem Begriff von “Corporate Design”.

Als figurative Versuchsanordnung zielt dieses Werk darauf ab, künstlerisch die Matrix der Gewohnheit buchstäblich zu verflüssigen. Freidimensional durchschwimmt der Erdtaucher die Materie, um subversiv aus dem Untergrund agierend, die verhakten Anker der Vorstellungskraft zu lichten.

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